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Mein erstes Herbstmagazin


Es gibt Ideen, die kündigen sich ordentlich an. Man denkt eine Weile über sie nach, macht vielleicht einen Plan, legt einen Zeitrahmen fest und beginnt irgendwann vernünftig mit der Arbeit.

Und dann gibt es Ideen, die an einem Gewitterabend im August auftauchen und fünf Wochen später 125 Seiten haben.

Dieses Herbstmagazin gehört eindeutig zur zweiten Sorte. Schon mal vorweg: ich bin sehr hibbelig und sehr aufgeregt. Mein Schreibstil könnte also etwas verrückt sein gerade.

Eigentlich fing alles ziemlich harmlos an. Ich hatte ein paar Gedanken zum Herbst, schrieb erste Dinge auf und dachte darüber nach, wie schön es wäre, all das einmal zu sammeln, was ich an dieser Jahreszeit so mag. Nicht nur die offensichtlichen Dinge wie buntes Laub, Kürbisse und Kerzenlicht. Auch die kleinen Veränderungen, die man manchmal erst bemerkt, wenn man genauer hinsieht. Die Luft am Morgen. Das erste fahle Grün in den Bäumen. Spinnennetze, die plötzlich überall sichtbar werden. Licht in den Fenstern. Regen. Nebel. Dieses seltsame Gefühl, wenn der Sommer noch nicht ganz verschwunden ist und der Herbst trotzdem schon überall herumsteht.

Ungefähr zwanzig Stunden später hatte ich ein komplettes Konzept. Das hätte mir vielleicht eine Warnung sein sollen.

Denn von da an geriet die Sache ein kleines bisschen außer Kontrolle.

Aus ein paar Texten wurden Essays. Aus einer Rezeptidee wurde eine ganze Herbstküche. Ich kochte Kürbissuppe, buk Apfelbrot und Kürbis-Zimtschnecken, machte Flammkuchen und fotografierte das alles. Ich sammelte Herbstgeräusche und Wörter, stellte Playlists zusammen, schrieb über Strickjacken, Ernte und Feuer, über Herbstfarben und Allerheiligen. Es kamen Geschichten dazu, Bücher, Gespenster und schließlich sogar merkwürdige kleine Laubgeister, die sich offenbar irgendwo zwischen den Seiten eingenistet hatten.

Und weil Schreiben und Fotografieren offensichtlich noch nicht genug waren, fing ich natürlich auch noch an, ein bisschen zu werkeln. Und was soll ich sagen? Ich liebe es.

Irgendwann sah mein Schreibtisch aus, als hätte der Oktober persönlich dort Quartier bezogen. Und während all das entstand, musste es natürlich auch noch gestaltet werden.

Am Anfang gab es dafür noch keine fertige Welt. Keine Vorlage, in die ich nur Texte und Bilder einsetzen musste. Ich musste erst herausfinden, wie dieses Journal überhaupt aussehen sollte. Welche Schriften dazugehören, welche Farben, welche kleinen Elemente. Wie ruhig eine Seite sein kann und wann sie etwas mehr verträgt. Welche Dinge nebeneinander funktionieren und welche besser wieder verschwinden.

Es gab Seiten, die ich sofort mochte. Andere habe ich mehrfach umgebaut. Eine Doppelseite wollte ich kurz vor Schluss sogar komplett hinauswerfen, weil ich sie schrecklich fand. Ich habe sie noch einmal angefasst – und plötzlich gehörte sie zu denen, die ich besonders gern mochte.

So ging es eigentlich die ganze Zeit. Das Journal wuchs und wuchs. Und irgendwann war da nicht mehr nur eine Sammlung schöner Herbstideen, sondern etwas Eigenes.

Das war mir wichtig. Ich wollte kein Magazin machen, in dem man nach zwanzig Seiten das Gefühl bekommt, nun wirklich genug Kürbisse, Wolldecken und Teetassen gesehen zu haben. Ich wollte den ganzen Herbst darin haben. Den warmen und goldenen genauso wie den grauen, nassen und ein bisschen unheimlichen. Das Draußensein und das Nachhausekommen. Den Überfluss der Ernte und die kahlen Tage im November. Dinge zum Lesen, Anschauen, Kochen, Backen, Machen und vielleicht auch einfach zum Wiedererkennen.

Vor ein paar Tagen bin ich mit meinem Mann durch die inzwischen neu sortierten Seiten gegangen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt längst jedes Gefühl dafür verloren, ob das alles überhaupt noch funktionierte. Wenn man wochenlang mitten in einem Projekt steckt, sieht man irgendwann keine Doppelseiten mehr. Man sieht Abstände. Seitenzahlen. Absatzformate. Bilder, die noch zwei Millimeter nach links müssen.

Und dann sagte er irgendwann: „Das ist total kurzweilig.“

BÄM. Genau das. Tränen in den Augen. Das war vermutlich eines der schönsten Komplimente, die er diesem Journal hätte machen können.

Denn trotz all der Arbeit wollte ich vor allem eines: ein Buch machen, in dem man gern bleibt. Bei dem hinter der nächsten Seite wieder etwas anderes wartet. Ein langer Text neben einer kleinen Beobachtung, danach ein Rezept, ein seltsamer Geist, ein großes Foto, eine Geschichte oder eine Idee, wegen der man vielleicht tatsächlich die Jacke anzieht und nach draußen geht.

Am Ende waren es 125 Seiten.

Ich habe in diesen Wochen geschrieben, gestaltet, fotografiert, gekocht, gebacken, gebastelt, verworfen, neu angefangen, umsortiert und korrigiert. Ich habe nebenbei eine Fachkundeprüfung vorbereitet und abgelegt, mir zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt noch eine ordentliche Erkältung eingefangen und irgendwann ernsthaft bezweifelt, dass ich dieses Ding im September noch fertigbekomme.

Und heute saß ich da und hatte plötzlich nichts mehr zu tun. Das Inhaltsverzeichnis stand. Das Impressum war fertig. Die Seitenzahlen stimmten. Die letzten Bilder waren gesetzt. Fertig. Ein ausgesprochen seltsames Wort nach solchen Wochen.

Und nun existiert es tatsächlich:

Fields & Fables – Das Herbstmagazin 2026.

Ein digitales Magazin über eine Jahreszeit, die für mich viel größer ist als ein paar Wochen zwischen Sommer und Winter. Voll mit all den Dingen, die ich an ihr wunderbar, gemütlich, schön, manchmal ein bisschen schräg und gelegentlich herrlich unheimlich finde.

Eigentlich ist dieses Herbstmagazin also nur eine etwas aus dem Ruder gelaufene Ausgabe dessen, was Fields & Fables ohnehin ist oder werden soll. Ich freu mich!

Geschrieben von Miriam Emme am .

Mein erstes Herbstmagazin

| Miriam Emme | Jahreszeiten

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